Berufsschule während Corona

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Berufsschule während Corona – ein paar Eindrücke

Ich habe meine Ausbildung im September 2020 angefangen und bin Anfang Dezember das erste Mal zur Berufsschule gegangen – ganze 1,5 Wochen lang. Denn die Zahlen der Infizierten stiegen wieder so stark, dass die Schulen schließen und auf Home-Schooling umstellen mussten. Unser Klassenlehrer erklärte uns bereits am ersten Tag, dass die Schule bestes darauf vorbereitet sei, falls wir wieder in den Distanzunterricht müssten (bereits im Frühjahr 2020 haben sie damit viel Erfahrung gesammelt). Auch wurde uns die Möglichkeit geboten, sollten wir wegen Erkältungssymptomen nicht zur Schule können, das Ganze online zu verfolgen. Viel zu schnell wurden wir jedoch alle durch die hohe Inzidenz gezwungen, den Unterricht ausschließlich von zuhause aus beizuwohnen. Dies brachte für uns viele Vorteile ebenso wie viele Nachteile.

 

Vorteile des Home-Schooling

 

Der erste offensichtliche Vorteil ist die Zeitersparnis. Viele fahren eine Stunde oder länger in der Früh zur Berufsschule, manche reisen sogar extra von weiter weg nach München an und bleiben die Berufsschulzeit über im Wohnheim. Anstatt sich morgens übermüdet in volle Züge und Busse zu quetschen, konnten wir nun bis kurz vor Unterrichtsbeginn (um 08:30) schlafen. Auch nach der Schule waren wir weniger erschöpft und somit auch motivierter, noch Projekte für die Schule vorzubereiten. Dies ist auch direkt der nächste Punkt: obwohl die Lehrer stets hofften, dass wir im nächsten Block wieder in die Schule kommen können, haben sie ihre Noten auch im Distanzunterricht gesammelt. Statt dem klassischen Auswendiglernen und Abfragen haben wir uns in Themen durch Referate und Gruppenarbeiten eingearbeitet und dabei selbstständig Recherche betrieben oder bereits in der Theorie erlerntes Wissen auf die Praxis angewendet. Meiner Ansicht nach ist dadurch viel Wissen besser hängen geblieben und auch unsere Noten waren besser, als sie es durch schriftliche Abfragen wohl gewesen wären.

 

Nachteile des Online-Unterrichts

 

Doch die negativen Seiten bleiben nicht aus: so schön das längere Schlafen und die Möglichkeit des Kochens in der eigenen Küche während der Mittagspause auch sind: drei Wochen alleine zuhause sitzen (gerade während des Lockdowns, wenn man grundsätzlich dazu angehalten ist soziale Kontakte zu vermeiden) ist eine Belastungsprobe. Besonders während meines letzten Schulblocks, der wieder in Präsenz stattfand, stellte ich fest, wie sehr mir rückblickend der Kontakt zu meinen Mitschülern gefehlt hat. Bis auf die Gruppenarbeiten hatten wir im Home-Schooling kaum Kontakt zueinander und da wir nur 1,5 Wochen am Anfang des Jahres in der Schule waren, hatten wir auch nicht wirklich die Möglichkeit auf bereits geschlossenem Kontakt aufzubauen. Privates und Zwischenmenschliches, das normalerweise ein wichtiger Bestandteil der Schule ist, musste im Distanzunterricht leider auf der Strecke bleiben.

Zusätzlich ist die Konzentration während des Unterrichts ist von zuhause aus deutlich schwerer aufzubringen als im Klassenzimmer. Mal ist man während der ersten Stunde versucht, den Laptop ans Bett zu stellen und sich von dort aus zuzuschalten, mal neigt man dazu während weniger aufregenden Fächern nebenbei den Haushalt zu machen oder z.B. Cookies zu backen (nicht, dass das irgendjemand bei uns getan hätte!). Häufiger kommt ungewollte Störung auch von außen, sei es durch Familie, Mitbewohner, Handwerker, Haustiere oder dem Postboten. Allgemein schaut man auch einfach deutlich häufiger aufs Handy als in der Schule und man muss lernen, sich selbst zu organisieren und zu entscheiden, wann man es sich leisten kann nicht so gut aufzupassen und wann nicht (kleiner Tipp: beim Fach Rechnungswesen). Doch für sich selbst verantwortlich zu sein und sich organisieren zu müssen, wie z.B. die Arbeitsblätter rechtzeitig auszudrucken, bei Internetproblemen den Stoff von Klassenkameraden zu erfragen usw. sind wichtige Kompetenzen, die wir durch den Distanzunterricht erlernt oder weiter ausgebaut haben.

 

Meine Bilanz

 

Dies ist nur ein kleiner Eindruck in die positiven und negativen Seiten, die Home-Schooling mit sich bringt. Bei der Frage, was Schüler schlussendlich bevorzugen, kommen ganz unterschiedliche Antworten und auch in unserer Berufsschulklasse sind wir geteilter Meinung darüber. Ich persönlich finde, dass auch das lange Schlafen und der „entspanntere“ Unterricht nicht das wettmachen können, was uns der Unterricht in der Schule gibt: den Austausch mit den Mitschülern ob privat in den Pausen oder fachlich im Unterricht, denn so viele Diskussionen können nur in der Schule entstehen, weil man sich dort nicht immer erst „entmuten“ muss, wenn man etwas sagen will, sondern manchmal auch einfach reinquatscht und so mit den Mitschülern Diskussionen entstehen, die von Zuhause aus nicht in dieser Form möglich gewesen wären.


Autorin: Laura Ertl

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